Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt ist mit Verlusten ins neue Jahr gestartet. Dabei wird der Leitindex SMI vor allem von seinem defensiven Charakter gebremst, während konjunktursensitive und insbesondere Tech-Aktien teils stark gesucht sind. Trotz der Ereignisse in Venezuela sei der Risikoappetit der Investoren derzeit intakt, heisst es in Marktkreisen. Entsprechend notieren auch die wichtigsten Handelsplätze in Europa im Plus, allen voran der DAX in Frankfurt.
Das Jahr 2026 beginne in einem wirtschaftlichen und finanziellen Umfeld, das sich widerstandsfähiger erwiesen habe als noch vor kurzem erwartet, schreibt etwa die Bank Oddo BHF Schweiz in einem Kommentar. So seien im vergangenen Jahr die ungünstigsten Szenarien wie etwa eine globale Rezession oder ein schwerer "Marktunfall" vermieden worden, trotz des Zollschocks und Befürchtungen wegen einer möglichen Stagflation. Die Weltwirtschaft habe dabei eine bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit bewiesen. Die Widerstandskraft beruhe auf mehreren Pfeilern: einer fragilen, aber realen Deeskalation der Handelskonflikte, logistischen Anpassungen, die den Inflationsdruck begrenzt hätten und vor allem der beispiellosen Investitionswelle in künstliche Intelligenz.
Der SMI notiert um 11.10 Uhr 0,57 Prozent tiefer bei 13'192,12 Punkten, der breite SPI verliert gleichzeitig 0,39 Prozent auf 18'148,56 Punkte. Die im SMIM enthaltenen 30 grössten Werte nach dem SMI hingegen legen 0,24 Prozent auf 2983,11 Punkte zu.
Das Minus im SMI kommt insbesondere wegen der schwachen Schwergewichte Nestlé (-2,2%), Novartis (-0,8%) und Roche (-0,6%) zustande. Aber auch weitere defensive Aktien wie die Versicherungstitel Swiss Re (-3,5%), Zurich (-1,9%) und Helvetia Baloise (-1,8%) haben einen schweren Stand.
Auf der anderen Seite treiben die Hoffnungen auf weitere Investitionen in KI bei den Blue Chips insbesondere VAT (+9,1%) in die Höhe. Zentraler Treiber für die Tech-Aktien seien die anhaltenden Kapitalzuflüsse in das Thema KI, heisst es denn auch in einer Einschätzung der LBBW. Der Markt setze darauf, dass hohe Investitionen der Tech-Konzerne die Gewinnentwicklung der Zulieferer weiter stütze.
So zeigen sich auch im breiten Markt Aktien wie Ams Osram (+9,1%), Inficon (+4,1%), Huber+Suhner (+5,4%) oder Comet (+8,0%) sehr stark. Comet werden von einer Kaufempfehlung der Bank Vontobel noch zusätzlich gestützt. Der Speicherzyklus dürfte im laufenden Jahr deutlich an Dynamik gewinnen, und die Nachfrage nach Halbleiterausrüstung sowie den damit verbundenen Basistechnologien sollte in den kommenden Quartalen schrittweise zunehmen, heisst es unter anderem zur Begründung.
Bereits in Asien profitierten die Aktienmärkte von einer starken Performance von Tech-Schwergewichten wie Samsung Electronics und Taiwan Semiconductor Manufacturing. Ein Marktteilnehmer führte dies auf eine Kurszielerhöhung durch Goldman Sachs zurück, welche dem ganzen Sektor Schub verliehen haben dürfte.
Bei den Blue Chips sind weitere konjunktursensitive Titel wie ABB (+1,7%), Kühne+Nagel (+1,3%) oder Amrize (+1,3%) ebenfalls gesucht.
Zu den Gewinnern zählen darüber hinaus die Finanzpapiere Julius Bär (+2,2%), UBS (+2,0%) und Partners Group (+2,8%). Partners Group erhalten zum Jahresauftakt Rückenwind von den Analysten der Citigroup. Nach einem sehr schwachen Jahr 2025 empfehlen die US-Experten die Aktien des Vermögensverwalters neu zum Kauf. Damit reihen sie sich ein in die vorherrschende Meinung am Markt. Auch viele Schweizer Analysten sagen "Buy" und haben die Aktie unter ihren Favoriten.
Dass die Investoren das Risiko nicht scheuen, zeigt sich im breiten Markt auch an einigen Biotechwerten, welche allgemein als riskant gelten. Bei Idorsia (+6,5%), Cosmo (+1,3%), Newron (+1,3%) oder Kuros (+1,6%) scheint die Party noch nicht vorbei zu sein, wie es ein Marktteilnehmer formuliert.
cf/rw