TOKIO/SHANGHAI/HONGKONG/SYDNEY (awp international) - Die asiatischen Börsen haben sich am Donnerstag merklich erholt. Nach den deutlichen Verlusten in der ersten Wochenhälfte kam es damit zu einer Gegenbewegung. Erneut fiel die südkoreanische Börse mit massiven Veränderungen auf, dieses Mal mit Gewinnen von 14 Prozent.
Damit profitierte der technologielastige Markt von den Vorgaben aus den USA, wo Technologiewerte gefragt waren. Der Halbleiterkonzern Broadcom hatte sich zudem für das laufende zweite Quartal optimistisch geäussert. Entsprechend deutlich fielen die Gewinne der Schwergewichte Samsung und SK Hynix aus. Marktteilnehmer sprachen von technisch orientierten Käufen, nachdem der Kospi rund 20 Prozent von seinen Jahreshochs verloren hatte. Seit Jahresbeginn hatte er in der Spitze rund 50 Prozent gewonnen.
Auch in Japan ging es nach den vorherigen Verlusten wieder stärker aufwärts. Der Leitindex Nikkei 225 schloss mit 55.278,06 Punkten 1,9 Prozent im Plus. "Entlastend wirkte, dass die Ölpreise nach dem kräftigen Sprung die Hochs vom Vortag um 85 Dollar je Barrel nicht erneut erreicht haben", hiess es von der Landesbank Baden-Württemberg. "Die USA stellten inzwischen Schritte zur Stabilisierung der Öllieferungen im Persischen Golf in Aussicht." Sowohl Japan als auch Südkorea sind auf Ölimporte angewiesen.
In China waren die Zuwächse überschaubarer. Allerdings waren die dortigen Märkte auch nicht zu sehr unter Druck gekommen. Zudem war zum Beginn des Nationalen Volkskongresses das niedrigste Wachstumsziel für die Wirtschaft seit Jahrzehnten ausgegeben worden. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll 2026 um 4,5 bis 5 Prozent wachsen, hiess es im Arbeitsbericht der Regierung, den Ministerpräsident Li Qiang in der Grossen Halle des Volkes in Peking vorstellte. Seit 2023 hatte die kommunistische Führung das Wachstumsziel stets mit rund fünf Prozent angesetzt. Ein Wert von 4,5 Prozent gab es zuletzt im Jahr 1991.
Ökonomen sehen in dem vorsichtig formulierten Ziel ein Signal, dass sich die Führung auf moderateres Wachstum einstellt. Die neue Untergrenze nimmt Druck von der Regierung, die Konjunktur mit grossen Investitionsprogrammen ankurbeln zu müssen. Peking senkt damit auch die Erwartungen in global unsicheren Zeiten mit Kriegen etwa in der Ukraine und im Iran sowie angesichts des Handelsstreits mit den USA unter Präsident Donald Trump. Der Hang Seng der Sonderverwaltungszone Hongkong zog um 0,5 Prozent an, der CSI-300-Index der chinesischen Festlandbörsen stieg um knapp ein Prozent.
Auch in Australien blieb die Gegenbewegung überschaubar. Der australische ASX kletterte um 0,44 Prozent auf 8.940,32 Punkte./mf/mis