FRANKFURT (awp international) - Sorgen um die Wirtschaft weltweit haben die Anleger am Donnerstag verstärkt aus den Aktienmärkten getrieben. Hierzulande geriet der Dax unter Druck und sackte auf den tiefsten Stand seit Ende April 2025. Mit minus 3,1 Prozent auf 22.790 Punkten hat der deutsche Leitindex in den vergangenen zwei Handelstagen rund 1.000 Punkte eingebüsst.
Der kräftige Anstieg der Ölpreise schürt immer stärker die Furcht vor einem deutlichen Anziehen der Inflation. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet nach dem jüngsten Schub knapp 115 Dollar. Die Europäische Zentralbank, die den Leitzins zwar wie erwartet unverändert beibehielt, warnte vor deutlich unsichereren Aussichten durch den Krieg im Nahen Osten. "Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge."
Mit dem israelischen Angriff auf das bedeutende iranische Gasfeld "South Pars" habe der Iran-Krieg "eine neue Eskalationsstufe erreicht", sagte Chefmarktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. "Jeder Angriff auf kritische Energieinfrastruktur nimmt dem Markt die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zu alten Produktionsniveaus, sollte der Krieg einmal enden."
Der MDax der mittelgrossen Werte büsste 3,6 Prozent auf 28.462 Punkte ein und auch europaweit, wie zuvor bereits in Asien, wurden kräftige Verluste verbucht. Die US-Börsen gaben ebenfalls nach, allerdings weitaus weniger deutlich.
Hierzulande neigt sich die Berichtssaison der Unternehmen dem Ende zu und die letzten Nachzügler legten ihre Geschäftszahlen vor. Deutschlands grösster Wohnimmobilienkonzern Vonovia verdiente zwar im vergangenen Jahr wegen höherer Mieteinnahmen mehr, doch im schwachen Umfeld sackte die Aktie um 10,3 Prozent ab. JPMorgan-Analyst Neil Green verwies auf die Inflationsrisiken und daher steigende Anleiherenditen, die der Branche Probleme bereiten.
Positiv stachen dagegen nach laut Goldman Sachs "beruhigenden Quartalszahlen" die Aktien von United Internet und deren Töchter Ionos und 1&1 hervor. Ionos sprangen im MDax um 12,4 Prozent nach oben, United Internet gewannen 3,0 Prozent und 1&1 stiegen an der SDax-Spitze um 3,3 Prozent.
Lanxess sackten dagegen um 11,5 Prozent ab und waren Schlusslicht im MDax. Die Ziele des Chemiekonzerns für 2026 lägen unter den Erwartungen, schrieb Barclays-Analyst Anil Shenoy. Der freie Barmittelzufluss sei schwach ausgefallen und die Nettoverschuldung etwas höher als von ihm erwartet.
Am Ende des Nebenwerte-Index SDax ging es für die Kontron-Aktie ohne Nachrichten um 9,5 Prozent abwärts. Zeitweise belief sich das Minus sogar auf rund 24 Prozent. Der Spezialist für das Internet-der-Dinge (IoT) legt in einer Woche seine Geschäftszahlen vor. Das Management reagierte auf die Kursverluste. Es sieht operativ keinen Grund für den Kursdruck und erwägt kurzfristig Aktienrückkäufe./ck/jha/
--- Von Claudia Müller, dpa-AFX ---