Zürich (awp) - Die Märkte sind am Freitag erneut im Bann des Iran-Kriegs und des damit verbundenen starken Ölpreisanstiegs gewesen. Nachdem sich zu Beginn noch eine kleine Entspannung abzeichnete, nachdem der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu einen weiteren Angriff auf die Energieinfrastruktur des Irans ausgeschlossen hatte, drehte die Stimmung am Nachmittag deutlich.
Dabei belastete vor allem ein Bericht des Wall Street Journal, wonach die USA weiter Kriegsschiffe und auch 2000 bis 2500 zusätzliche Bodentruppen für "amphibische Landungsoperationen" in der Region entsenden wollen. An den Märkten verstärkten diese Nachrichten die Befürchtungen, dass die USA die für den Ölexport des Irans zentrale Insel Kharg angreifen könnten. Dieses Szenario hatte US-Präsident Donald Trump zuvor auch schon beiläufig ins Spiel gebracht.
Ölpreis bleibt hoch
In Fokus stand an den Märkten vor allem die Entwicklung des Ölpreises. Nachdem dieser in der Nacht noch auf rund 105 US-Dollar pro Fass gefallen war, ging es im Handelsverlauf wieder nach oben.
Am Abend wird das Barrel zu rund 110 Franken gehandelt. Dies liegt immer noch klar unter den in der Spitze fast 120 Dollar vom Vortag. Die Tendenz zeigt inzwischen aber wieder leicht aufwärts.
Etwas Entspannung gab es bei der Entwicklung der Gaspreise. Am Donnerstag waren diese noch deutlich gestiegen, nachdem ein Angriff des Irans auf Anlagen in Katar für erhebliche Schäden gesorgt hatte. Noch liegt der Preis aber immer noch deutlich über den Vorkrisenwerten. Dies belastet vor allem Asien und Europa, die vergleichsweise viel Gas aus der Region importieren.
Starke Volatilität an den Märkten
Nachdem sich anfänglich eine leichte Erholung nach den Verlusten der Vortage abzeichnete, hielt die gute Stimmung nur bis zur Eröffnung der US-Märkte an. Nach einem sehr volatilen Handelsverlauf, noch befeuert durch den heutigen grossen Verfallstag, ging es mit der schwachen Eröffnung der US-Märkte deutlich ins Minus.
Am Ende resultierte im SMI ein Tagesverlust von 1,11 Prozent auf 12'320,99 Punkte, nachdem er zwischenzeitlich auf bis zu 12'565 Punkte gestiegen war. Das Wochenminus liegt damit bei 4,0 Prozent.
Damit schliesst der SMI die dritte Woche in Folge tief in den roten Zahlen ab. Seit Kriegsausbruch Ende Februar summiert sich das Minus auf 12,1 Prozent, beziehungsweise inzwischen knapp 1700 Punkte.
Der breite SPI ermässigte sich um 1,02 Prozent auf 17'202,24 Zähler. Der SMIM-Index für die mittelgrossen Werte büsste 0,77 Prozent auf 2827,78 Punkte ein.
Abgaben durch das Band
Im Sog der Kriegssorgen büssten Wertpapiere fast über alle Branchen hinweg klar an Wert ein. Am stärksten getroffen wurden Swisscom (-2,5%), die sich zuletzt noch recht stabil hielten. Deutliche Abgaben von 2,1 Prozent gab es auch bei Alcon, ABB und Kühne+Nagel.
Unter Druck gerieten erneut Finanzwerte wie Julius Bär (-1,7%) und die UBS (-0,7%). Der UBS halfen dabei auch nicht die Neuigkeiten, dass sie wie angestrebt eine Bankenlizenz in den USA erhielt. Partners Group büssten 1,3 Prozent ein. Im frühen Handel hatten Finanzwerte noch zu den grössten Gewinnern gezählt, die Stimmung drehte dann um den Mittag.
Keine Stütze waren auch die defensiven Schwergewichte. Die Pharmariesen Novartis (-1,1%) und Roche (-1,6%) sowie der Lebensmittelkonzern Nestlé (-1,1%) büssten in etwa im Marktdurchschnitt ein.
Baunahe Firmen schneiden besser ab
Zu den wenigen Gewinnern zählten die baunahe Firmen Holcim (+1,7%) und Sika (+0,4%). Diese hatten seit dem Krieg aber auch deutlich an Wert verloren, vor allem ausgelöst durch die zunehmenden Sorgen um die Konjunktur.
Im breiten Markt verloren Cham Swiss Properties (-5,0%) und CFT (-7,3%) nach Zahlen klar an Boden.
Aufwärts ging es derweil für die Titel von Mobilezone (+1,2%). Der Konzern hatte nach einer Übernahme eine höhere Dividendenzahlung in Aussicht gestellt. Idorsia (+2,3%) waren nach einem Interview von Patron Jean-Paul Clozel mit der Nachrichtenagentur AWP gesucht. Er erklärte den plötzlichen Abgang der Chefin vor einigen Tagen und äusserte sich zu Zukunftsaussichten.
cg/ls