Zürich (awp) - An den Finanzmärkten bleibt der Fokus auf die Entwicklungen im Nahen Osten gerichtet. Am Donnerstag wuchsen im Handel die Sorgen vor einem länger anhaltenden Krieg gegen das Mullah-Regime im Iran. Das liess die Ölpreise steigen und setzte die Aktienmärkte unter Druck. Meldungen, wonach die iranische Seite auf die Vorgaben der USA für einen Frieden reagiert haben soll, boten den Börsen nur vorübergehend eine leichte Stütze.
Am Ende überwog im Handel aber Skepsis darüber, dass es ein baldiges Ende der Kriegshandlungen bevorsteht. Entsprechend blieb das Marktsentiment von Vorsicht geprägt. Und auch in einem öffentlich ausgestrahlten Meeting von US-Präsident Donald Trump und Regierungsmitgliedern war zwar die Rede von Verhandlungen mit dem Iran, doch wurde nicht schlüssig aufgezeigt, wie und wie schnell der Krieg beendet werden kann.
Je länger der Krieg und die disruptiven Folgen im Handel mit Öl anhalten, desto lauter warnen Ökonomen vor den Auswirkungen auf die Konjunktur. Die Experten der OECD etwa betonten, dass durch den sich zuspitzenden Konflikt die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft nun auf die Probe gestellt werde. Unter anderem dürfte der sprunghafte Anstieg der Energiepreise die Inflation anheizen und sich negativ auf das Konjunkturwachstum auswirken.
Brent-Preis klar über 100 US-Dollar
Direkt schlugen die wachsenden Kriegssorgen am Donnerstag am Ölmarkt nieder. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg wieder deutlicher über die Marke von 100 US-Dollar. Zuletzt kostete das Fass gut 108 Dollar.
Am Schweizer Aktienmarkt verlor der Leitindex SMI nach der Erholung am Vortag 0,60 Prozent auf 12'641,96 Punkte. Um die Mittagsstunden fiel der Index gar unter die Marke von 12'600 Zählern. Der breite SPI-Index lag zum Tagesschluss 0,44 Prozent tiefer bei 17'664,49 Punkten.
Im SMI beendeten ABB (-3,6%) den Handel mit den grössten Einbussen, gefolgt von Sika (-2,6% bwz. -3,45 Fr.). Beim Baustoffkonzern war der Dividendenabgang von 3,70 Franken je Titel der Grund für das Minus.
Nahost-Sorgen bei UBS
Zur Schwäche neigten auch einige Finanzwerte. Allen voran verloren UBS 2,1 Prozent, was Händler auf die steigenden Sorgen zurückführten, dass die Vermögensverwaltung im Nahen Osten zunehmend unter dem Iran-Krieg leiden könnte. Bei den Midcaps dürften auch die Papiere von Julius Bär (-0,9%) darunter gelitten haben.
Im Versicherungssektor gaben Swiss Re um 0,8 Prozent nach. In Analystenkommentaren wurde auf eine schwache Entwicklung der Rückversicherungstarife verwiesen. Geberit (-1,3%) und Swisscom (-0,9%) waren ebenfalls weit hinten in der Tabelle zu finden, während die Schwergewichte Nestlé (-0,8%), Novartis (-0,1%) und Roche GS (+0,3%) uneinheitlich schlossen.
Auf der Gewinnerseite rückten Lonza um 1,8 Prozent vor, was Marktbeobachter auf positive Studiendaten zum Augenmittel Zenkuda von Kunde Kodiak Sciences zurückführten. Und der Logistiker Kühne+Nagel (Aktie +1,2%) könne aufgrund der Sperrung der Strasse von Hormus von einer steigenden Nachfrage nach komplexeren Logistiklösungen profitieren, hiess es.
Bei den Midcaps büssten, vom Dividendenabschlag belastet, Schindler PS (-1,9%) an Wert ein. Tiefer gingen auch Belimo (-2,1%) oder DocMorris (-2,4%) aus dem Handel, wogegen Medacta (+1,6%), Galderma (+2,0%) oder Lindt&Sprüngli N (+1,3%) zulegten.
Cevian erhöht bei SIG
SIG (unv.) rückten nach den Hochstufungen der vergangenen Tage erneut in den Fokus. Der bekannte aktivistische Investor Cevian hatte seinen Anteil am Verpackungsspezialisten auf mittlerweile gut 5,6 Prozent erhöht.
Für die Swissquote-Aktien (-0,9%) ging es indes trotz eines positiven Analystenkommentars weiter abwärts. In der zweiten Reihe legten einige kleinere Firmen Zahlen vor. Darunter der Asset Manager GAM (Aktie -5,4%), der erneut tiefrote Zahlen schrieb.
mk/cf