Zürich (awp) - Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel am Donnerstag etwas leichter geschlossen. Verdaut werden mussten die überraschend falkenhaften Äusserungen des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh vom Vorabend. Die US-Börsen hatten als Reaktion bereits am Mittwoch Federn gelassen, steuerten aber am letzten Handelstag vor dem verlängerten US-Wochenende - am Freitag ist Juneteenth - auf eine Erholung zu. Nach dem Stillhalten der US-Notenbank ist unter Marktbeobachtern umstritten, wie diese nun weiter vorgehen wird.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung sei grösser geworden, aber sei auch "nicht in Stein gemeisselt", sagte einer. Andere wiederum gehen von einer längeren Phase des Stillstands aus. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) bewegte sich wie erwartet am Donnerstag nicht. Erleichterung herrschte derweil darüber, dass US-Präsident Donald Trump und der iranische Präsident Massud Peseschkian das Rahmenabkommen zur Beendigung des Iran-Krieges unterzeichnet haben.
Daraufhin kamen auch die Ölpreise weiter zurück. Teheran werde die Strasse von Hormus "unverzüglich wieder öffnen", und die USA würden die Seeblockade iranischer Häfen umgehend aufheben, hiess es vom Vermittlerstaat Pakistan. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostete zur Berichtszeit 77,40 US-Dollar.
UBS über 41 Franken
Der Swiss Market Index (SMI) verlor am Donnerstag 0,36 Prozent auf 13'765,83 Punkte. Der SMIM der mittelgrossen Werte stand dagegen 0,02 Prozent im Plus bei 3102,56 Punkten, und der breite SPI gab um 0,25 Prozent auf 19'463,18 Prozent. Die Gewinner und Verlierer hielten sich im SMI die Waage.
Zur grössten Belastung unter den Blue Chips wurden am Schluss die Pharma-Schwergewichte Roche (-2,7%) und Novartis (-2,5%). Auch Nestlé (-0,2%) gaben leicht nach. Partners Group verloren (-2,0%) ebenfalls deutlich. Der Vermögensverwalter führte bei einem bestehenden Investmentfonds eine zweigeteilte Aktienstruktur ein. Die Zuger Private-Equity-Gesellschaft war zuletzt in die Schlagzeilen geraten, weil er die Rücknahmen bei Evergreen-Fonds eingeschränkt hatte.
Auf der Gegenseite legten Sika (+2,9%) am stärksten zu, und UBS (+2,7% auf 41,06 Fr.) profitierten von der insgesamt freundlichen Stimmung im europäischen Bankensektor sowie vom neuen Rekordkursziel seitens von Jefferies. Der US-Broker hat das Kursziel für die Grossbank auf 60 von zuvor 55 Franken erhöht. Rückenwind gäben vor allem das dynamische Vermögensverwaltungsgeschäft in den USA und Asien, aber auch die Investmentbank profitiere von einer lebhaften Aktivität bei Börsengängen und Übernahmen, hiess es.
Uhrenwerte nach Exportdaten höher
Auch ABB (+1,7%) erhielten Rückenwind von einer Kaufbestätigung der ZKB und weiteren positiven Analystenkommentaren. Die Titel des Industriekonzerns sind mit einem Plus seit Anfang 2026 von 47 Prozent der unangefochtene Gewinner auf Jahressicht im Leitindex.
Nach den Exportdaten legten die Uhrenwerte Richemont (+1,7%) und Swatch (+0,5%) zu. Im Mai hatten sich die Schweizer Uhrenexporte nach einem von der US-Zollpolitik ausgelösten April-Einbruch stabilisiert. Die Erholung in China geriet dabei allerdings ins Stocken.
In der zweiten Reihe waren indes Leonteq (+8,7%) stark gefragt, nachdem der Derivate-Spezialist den Abschluss sämtlicher regulatorischer Altlasten bekannt gegeben hat. Analysten werteten die Nachricht positiv: Sie sorge für Klarheit bei Kunden und erleichtere die Umsetzung der strategischen Prioritäten, schrieb die ZKB.
Derweil schossen Idorsia (+26% auf 5,85 Fr.) am Nachmittag in die Höhe und notierten damit so hoch wie zuletzt im Sommer 2023. Unter Druck waren dagegen Clariant (-2,7%) und PSP (-1,4%) und SPS (-0,8%) nach Kurszielsenkungen verschiedener Häuser.
ys/jb