PARIS/LONDON/ZÜRICH (awp international) - Europas Aktienmärkten haben am Mittwoch überwiegend geschwächelt. Der EuroStoxx 50 gab einen Teil seiner deutlichen Vortagesgewinne wieder ab.
Zum einen stocken die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran um ein Rahmenabkommen weiterhin. Zum anderen mangelt es vor der allgemein anstehenden Berichtssaison zum zweiten Quartal vielerorts an kursbewegenden Impulsen. Auch aus Portugal, wo die Notenbanker getagt haben, gab es keine bewegenden Neuigkeiten. Der neue US-Notenbank-Präsident Kevin Warsh hielt sich mit seinen Aussagen zurück. Insbesondere vermied er Hinweise auf die Ende Juli anstehende Zinssitzung der Fed.
Der EuroStoxx beendete den Tag mit einem Minus von 0,72 Prozent auf 6.282,50 Punkte, nachdem der Leitindex der Eurozonen am Dienstag um 1,6 Prozent zugelegt hatte. Ausserhalb des Euroraums verlor der schweizerische SMI 0,56 Prozent auf 14.114,00 Punkte. Für den britischen FTSE 100 ging es um 0,18 Prozent auf 10.478,34 Punkte nach unten.
Tech-Aktien, die am Vortag die Nase vorn hatten, gaben nun wieder nach: Für ASML und Infineon ging es jeweils um 4,6 Prozent abwärts, STMicro verloren 3,3 Prozent.
Schneider Electric büssten 3,1 Prozent ein. Der französische Elektrotechnikkonzern verstärkt sich im Bereich industrielle KI und übernimmt den US-Software-Hersteller Cognite für 3,1 Milliarden US-Dollar (rund 2,7 Mrd Euro). Die kanadische Bank RBC hält den Kauf des Industriesoftware-Unternehmens zwar für nicht günstig, aber strategisch sinnvoll. JPMorgan äusserte sich kritisch: Der Zukauf sei "sehr teuer" und "wenig hilfreich", schrieb Analyst Phil Buller. Glücklicherweise sei er im Vergleich zum gesamten Börsenwert von Schneider jedoch klein, ergänzte er.
Zu den Verlierern gehörten auch AB Foods , die in London 3,2 Prozent verloren. Der Nahrungsmittelhersteller litt im dritten Geschäftsquartal unter Umsatzrückgängen und zudem enttäuschte ein schwacher Ausblick auf das Zuckergeschäft.
National Grid verloren 3,0 Prozent. Der Stromübertragungsnetzbetreiber investiert in den Bereich KI-Strom. National Grid Ventures (NGV) kauft für 1,75 Milliarden US-Dollar eine 35-prozentige Beteiligung an Joulent, also an einer Plattform, die integrierte Energielösungen für Grossabnehmer in den USA entwickelt. Die Investition verschafft den Briten laut der kanadischen Bank RBC einen direkten Zugang zum fortgesetzten Nachfrage-Wachstum und zum Thema Rechenzentren auf dem US-Markt.
Besser kamen Neuigkeiten zu Lonza an. Der Pharmazulieferer aus der Schweiz baut seine strategische Zusammenarbeit mit einem führenden US-Biopharmaunternehmen aus. Der kumulierte Auftragswert der neuen Vereinbarung hat ein Potential von mehreren Milliarden Franken. Die Aktie stieg um 3,1 Prozent.
Im Luxussektor, der erneut schwächelte, fiel dieses Mal vor allem das Papier von Richemont mit einem Abschlag von 2,1 Prozent auf. Die spanische Bank Santander ist kritischer geworden, was die Bewertung der Aktie betrifft und stufte sie von "Buy" auf "Neutral" ab./ck/he