Holcim zündet im Sommer den Turbo und legt Ziele höher

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23.10.2026 , 13:24:15

Zug (awp) - Holcim hat im Sommerquartal den Turbo gezündet: Umsatz und Betriebsgewinn schossen nach oben. Gleichzeitig legt der Baustoffkonzern erneut die Profitabilitätsziele für das Gesamtjahr höher. Und Konzernchef Miljan Gutovic will auch die neuen Ziele übertreffen.

Insgesamt stieg der Umsatz von Juli bis Ende September 2026 um 15,5 Prozent auf 4,66 Milliarden Franken, wie der Innerschweizer Konzern am Freitag bekannt gab. Dabei kam erstmals seit langem Rückenwind vom Franken, der sich in den letzten Monaten abgewertet hatte. Die Franken-Abschwächung hob den Umsatz um 96 Millionen Franken nach oben.

Der grösste Teil der Steigerung kam aber von Firmenübernahmen: Diese schoben den Umsatz mit weiteren 331 Millionen an. Organisch, also aus eigener Kraft, sei Holcim um 5,1 Prozent gewachsen, hiess es weiter.

Der wiederkehrende Betriebsgewinn auf Stufe EBIT stieg um 16,8 Prozent auf 976 Millionen Franken. Der grösste Teil der Zunahme kam aus eigener Kraft: Das organische Wachstum betrug 12,2 Prozent. Die entsprechende operative Marge erhöhte sich leicht auf 20,9 Prozent von 20,7 Prozent im Vorjahresquartal.

Aktie mit Freudensprung

Insgesamt hat Holcim damit die Prognosen von Analysten teils deutlich übertroffen. So lobte beispielsweise der Analyst von Goldman Sachs die starke operative Leistung trotz eines schwierigen Marktumfelds. Dank Preiserhöhungen und Kostenreduktionen liege das Gewinnwachstum über dem Durchschnitt der Branche.

Applaus kam auch von der Börse: Die Aktie kletterte um 5,8 Prozent auf 67,30 Franken und ist damit klar an der SMI-Spitze. Allerdings hat der Titel eine längere Schwächephase hinter sich und steht auf Jahressicht immer noch deutlich im Minus.

Holcim will auch neue Ziele übertreffen

Nach einem starken ersten Halbjahr habe Holcim sein Geschäft im dritten Quartal beschleunigt, erklärte Firmenchef Gutovic: "Wir haben eine neue Phase mit zweistelligem Wachstum von Umsatz und wiederkehrendem EBIT erreicht, die weitergehen soll. Wir erhöhen die EBIT-Ziele für das Gesamtjahr 2026 zum zweiten Mal hintereinander."

Neu erwartet Holcim ein Wachstum des wiederkehrenden Betriebsgewinns um 10 bis 12 Prozent, nachdem bisher ein Plus von rund 10 Prozent angepeilt worden war. Dagegen blieb das Ziel für das Umsatzwachstum von rund 5 Prozent unverändert.

Auf die Frage, ob die Ziele nicht zu konservativ seien, da sie Holcim bereits nach 9 Monaten erreicht habe, sagte Gutovic: "Wir wollten das EBIT-Ziel massvoll halten, aber ambitioniert." Man wisse nicht, wann der Winter komme. Für Oktober und November sei Holcim auf Kurs. Aber es komme ja noch der Dezember. "Wir wollen unsere Ziele immer übertreffen", sagte Gutovic.

Warten auf Geldsegen in Deutschland

Den grössten Sprung nach oben machte Holcim in Lateinamerika dank der Übernahme von Cementos Pacasmayo in Peru. Aber auch in Europa gelang eine deutliche Steigerung dank einer Grossübernahme in Deutschland und dem Kauf von mehreren kleinen Firmen in verschiedenen Ländern. Gut gelaufen sei das Geschäft in Deutschland, Griechenland, Rumänien, Spanien und der Schweiz, erklärte Gutovic.

Und dabei sei das riesige Infrastrukturprogramm der deutschen Regierung in Höhe von 500 Milliarden Euro noch gar nicht in den Büchern von Holcim angekommen. Es habe erst einzelne Effekte hier und da gegeben, sagte Gutovic: "Aber noch nichts Substantielles." Im nächsten Jahr dürfte mehr Geld kommen.

Insgesamt sei die Entwicklung in Europa gemischt. So sei das Geschäft in Grossbritannien weiterhin unter Druck. Immerhin sehe er Licht am Ende des Tunnels, sagte der Holcim-Chef. Aber mit einer starken Erholung rechne er nicht.

Dafür geht der Boom in Nordafrika weiter. In Ägypten, Algerien und Marokko werde vom Staat kräftig in die Infrastrukturen investiert, sagte Gutovic. In Marokko profitiere Holcim zudem vom Bau neuer Stadien für die Fussball-WM 2030.

jb/cg